Philosophie
Philosophieunterricht wird bei uns seit dem Schuljahr 2010/2011 als Wahlpflichtfach alternativ zu Religion zuerst in Klasse 7 unterrichtet. Der Unterricht wird epochal erteilt, d.h. mit vier Stunden im ersten oder im zweiten Halbjahr. Diese zeitliche Schwerpunktsetzung ermöglicht eine intensive Einstiegsphase in das neue Fach.
Danach wird Philosophie in der 9. und 10. Klasse, ebenfalls im Wahlpflichtbereich, unterrichtet. In der Studienstufe ist Philosophie entweder in ein Profil eingebunden („Experiment Erde“) oder wird im Wahlbereich, unabhängig vom jeweiligen Profil, angeboten.
Warum Philosophie wählen?
Philosophieren kann jeder. Es setzt kein Wissen und keine besonderen Fertigkeiten voraus. Insofern ist der Philosophieunterricht voraussetzungsloser als viele andere Fächer. Was man allerdings braucht, ist die Bereitschaft, Wohlbekanntes zu hinterfragen, sich auf Fragen einzulassen, die sich im Alltag nicht selbstverständlich stellen, sein Denken anzustrengen und die eigene Sprache zu schärfen. Philosophieren macht Spaß, weil man ganz unabhängig von äußeren Hilfsmitteln „Welten“ und „Horizonte“ entdecken kann, die einem die bisherige Sicht auf die Dinge in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen können.
Wie kann man sich Philosophieunterricht konkret vorstellen?
Sehr beliebt bei Schülerinnen und Schülern ist z.B. das Thema „Glück“. Eine Unterrichtsreihe hierzu könnte folgendermaßen aussehen: Zunächst fragen wir danach, was wir unter „Glück“ verstehen und suchen ggf. nach unterschiedlichen Bedeutungen (etwa das glücklich-Sein im Unterschied zum Spielglück). Wenn wir Klarheit gewonnen haben über das Phänomen, das uns interessiert, geht es darum, eine für die Unterrichtseinheit leitende Fragestellung zu entwickeln. Zum Beispiel könnte diese lauten: „Warum ist es den Menschen so wichtig, glücklich zu sein?“ oder „Ist das Streben nach Glück dem Menschen angeboren?“ Diese Leitfrage gilt es nun, durch eigene Reflexion, durch den Dialog untereinander und die Auseinandersetzung mit den Positionen philosophischer Autoren zu beantworten (Was verstanden die Menschen vor 2000 Jahren unter Glück? Welche Glücksvorstellungen kennen andere Kulturen?). Im Laufe dieses Prozesses kommt man vielleicht zu dem Schluss, dass es keine befriedigende Antwort gibt, dass man die Frage vielleicht neu und anders formulieren muss oder vielleicht erst einmal einer ganz anderen Frage nachgehen möchte. Das Entscheidende im Philosophieunterricht ist nicht das Wissen um Fakten, sondern das Philosophieren selbst, d.h. die Wahrnehmung eines Problems, die Entwicklung einer eigenen Fragestellung und die Suche nach Antworten kraft eigenen Denkens und in der Auseinandersetzung mit den Mitschülern. Am Ende wird es darauf ankommen, welche Position am meisten überzeugt. Dazu müssen schlagkräftige Argumente formuliert werden, die sich in der Diskussion bewähren.
Welche Anforderungen und Beurteilungskriterien gelten im Philosophieunterricht?
Für das Fach Philosophie gelten am Ende von Klasse 10 die gleichen allgemeinen Anforderungen wie für das Fach Religion. Im Rahmenplan finden sich hierzu u.a. die folgenden Formulierungen:
• Die Schülerinnen und Schüler artikulieren persönliche Erfahrungen und Vorurteile in Bezug auf den Unterrichtsgegenstand.
• Sie artikulieren sich mündlich wie schriftlich in angemessener Form.
• Sie knüpfen an die Diskussionsteilnehmer an und gewichten diese in der eigenen Argumentation.
• Sie formulieren leitende Fragestellungen für den Unterricht.
Speziell für den Philosophieunterricht gelten darüber hinaus u.a. die folgenden Anforderungen:
• Die Schülerinnen und Schüler unterscheiden zwischen Meinung und Wissen. Sie nennen Kriterien für gute Argumente.
• Sie beschreiben den Unterschied zwischen deskriptiven (beschreibenden), normativen (vorschreibenden) und evaluativen (wertenden) Aussagen.
• Sie erläutern den Verlauf philosophischer Gespräche, benennen zentrale Begriffe, Thesen und Argumente.
für die Fachschaft Philosophie
Dr. Julia von Rosen
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