Begabungsförderung - Individuelles Fordern und Fördern als Programm
Als allgemeinbildendes Gymnasium sind wir zunächst der Begabungsförderung in einem ganzheitlichen Sinn verpflichtet. Unser Bildungs- und Erziehungsauftrag besteht darin, alle Schülerinnen und Schüler in ihren jeweiligen Stärken zu fördern, sie in der Entfaltung von Begabungen zu unterstützen, ebenso wie es unsere Pflicht ist, ihnen im Umgang mit Schwächen behilflich zu sein. Dieser anspruchsvollen Aufgabe begegnen wir durch kontinuierliche Verbesserung der Unterrichtsqualität, insbesondere im Bereich individualisiertes Lernen, projektorientiertes und fächerübergreifendes Arbeiten.
Jährliche Projektzeit
Jeweils vor den Herbstferien führen wir Klassenprojekte ebenso wie klassen- sowie fächerübergreifende Projekte durch. Ein solches expansives Lernen ist begabungsfördernd, wenn an die Fähigkeiten der Kinder, die in dieser Zeit sichtbar werden, angeknüpft wird, und wenn wir dabei eng mit den Elternhäusern zusammenarbeiten.
Fächerübergreifendes Arbeiten in den Naturwissenschaften und anderen Fächern
Wir glauben, dass das erfolgreiche Abschneiden anderer Länder in Schülertests wie PISA darauf beruht, dass die Schülerinnen und Schüler dort viel häufiger projektorientiert und fächerübergreifend, also vernetzt, lernen und denken. Wir beginnen mit dieser Form von naturwissenschaftlichem Unterricht (Natur und Technik) deshalb bereits in den fünften Klassen und setzen den Ansatz über den Wahlpflichtbereich in die Mittelstufe hinein fort, indem wir das Fach Naturwissenschaftliches Praktikum anbieten. Hier können die Schülerinnen und Schüler, die in diesem Bereich besonders begabt sind, die Fächer Physik, Biologie und Chemie im Projektunterricht verbinden. Aus diesen Projekten entwickeln sich Wettbewerbsteilnahmen, z.B. an Jugend forscht. In zahlreichen Jahrgängen haben wir fächerübergreifende Unterrichtskonzepte entwickelt, die jenseits des Fächerkanons die expansive Arbeit an Themen ermöglichen.
Wettbewerbspraxis
Bei unserem Ansatz "Begabungsförderung über Wettbewerbe" gehen wir davon aus, dass vor allem diejenigen Schülerinnen und Schüler, die ihre Begabungen im Unterricht nicht in Leistung umsetzen können, dabei besonders motiviert werden. Häufig erkennen wir ihre Fähigkeiten erst während ihrer Arbeit an den Wettbewerbsaufgaben und suchen dann das Gespräch mit den Eltern. Die Arbeit an diesen Aufgaben kann entweder im Unterricht selbst erfolgen (im Einzelfall z.B. auch an Stelle von Unterricht) oder möglicherweise in einer selbst organisierten Arbeitsgemeinschaft.
Musikerziehung
Für alle Jahrgänge bieten wir in Zusammenarbeit mit dem Musixx-Projekt zusätzlichen Unterricht durch Absolventen der Hochschule für Musik und Theater Hamburg an. Die Schülerinnen und Schüler lernen in Einzel- und/oder Gruppenunterricht Gesang, Posaune, Trompete, Saxophon, Schlagzeug, Gitarre und E-Bass und entwickeln darüber eigene kleine Schülerbands. Dafür steht ihnen der schuleigene Bandkeller zur Verfügung. Mittlerweile haben wir mehrere Generationen von Schülerbands, die in unserer P-Aula wunderschöne Konzerte gestalten und auch bereits in der Öffentlichkeit auftraten.
Möglichkeiten von Verantwortungsübernahme
Unser Paten-Konzept (Schüler helfen Schülern) ist ein Betreuungssystem für die Klassen der Beobachtungsstufe. Es eröffnet den Schülern unserer Mittelstufenklassen Gelegenheiten, sich für andere Schüler einzusetzen, selbstständig Konflikte zu lösen und jüngeren Schülern bei Lernproblemen zu helfen. Schülerinnen und Schüler, die im Bereich der Sozialkompetenzen besonders begabt sind, werden darüber hinaus besonders gefördert, z.B. durch die Ausbildung zur Streitschlichterin bzw. zum Streitschlichter.
Förderung in den modernen Fremdsprachen
Unser umfangreiches Angebot an Fremdsprachen finden Sie an anderer Stelle ausführlich beschrieben. Mit den Sprachenprojekten der siebten Klassen in der Projektzeit vor den Herbstferien und mit dem Einüben von Theaterstücken, dem Erstellen von Hörspielen oder dem Drehen eines Kurzfilms in englischer und französischer Sprache versuchen wir, den Unterricht in den Sprachen so zu gestalten, dass vor allem handlungsorientierte Elemente des Lernens eine Bedeutung erfahren und dadurch sprachliche Begabungen entwickelt und ausgelebt werden können. Darüber hinaus geben wir den Schülerinnen und Schülern, die Französisch zwar als zweite Fremdsprache gewählt, aber besonderes Interesse für das Fach entdeckt haben, Gelegenheit, am Unterricht Französisch als erste Fremdsprache ebenso teilzunehmen wie auch am bilingualen Fachunterricht und am deutschfranzösischen Doppelabitur Abibac.
Daneben sind wir auch offen für weitere Fremdsprachenangebote. Wir bieten unseren älteren Schülerinnen und Schülern über spezielle Absprachen mit den Nachbarschulen auch die Teilnahme an Portugiesisch- und Chinesischkursen an. Lernen, so sagen wir, führt umso mehr zum Erfolg, je früher das Gelernte angewandt werden kann. So werden bereits in den sechsten Klassen Kontakte zum Ausland hergestellt, Briefwechsel angeregt und E-Mail-Kontakte zur Vorbereitung der ersten Sprachreisen in Gang gesetzt. Mehr dazu finden Sie unter "Austausch".
Förderangebote außerhalb des Unterrichts
Wie gut auch der Unterricht sein mag, es wird immer auch nötig sein, für Kinder mit einer besonderen oder Hochbegabung Angebote bereitzustellen, die über unterrichtliche Möglichkeiten hinausgehen. Hier sprechen wir im engeren Sinne von "Begabtenförderung". Dafür gibt es unterschiedliche Modelle. Schon innerhalb unserer Angebote an offenen Arbeits- und Interessengemeinschaften gibt es vielfältige Möglichkeiten für besonders begabte Kinder, sich Herausforderungen zu suchen, Verantwortung zu übernehmen und auf diese Weise ihre Begabungen zu entfalten. Daneben bieten wir, wenn die Nachfrage besteht, unterrichtsbegleitende Talentwerkstätten an, für die die Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen temporär den regulären Unterricht verlassen. Was die Themen und Formen unserer Angebote betrifft, sind wir grundsätzlich offen und nehmen sehr gerne Vorschläge und Anregungen unserer Schülerinnen und Schüler an, um gemeinsam passende Lösungen zu entwickeln.
Ergänzende Angebote und Beratung
Für Schülerinnen und Schüler, die nachhaltig besondere oder Hochbegabungen zeigen, bieten wir außerdem in Rücksprache mit den Fachlehrern und den Eltern an, in ausgewählten Fächern am Unterricht einer höheren Klassenstufe teilzunehmen (partielles Springen), um Unterforderungen zu vermeiden und ggf. das Überspringen einer Klassenstufe vorzubereiten. Wichtig für uns sind bei diesen Angeboten das Gespräch und die enge Zusammenarbeit mit den Eltern und der Beratungsstelle für besondere Begabungen am LI Hamburg (BbB). Schülerinnen und Schüler, die über besondere Begabungen und Interessen verfügen, können so auch von den externen Angeboten der BbB und anderen Fördermöglichkeiten wie Juniorstudium und Junior- und Schülerakademie profitieren.
Stand: 20.12.2010, J. v.Rosen/J. Isenbeck
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